Stefan Gutternigh: »The Common Good«

"The Common Good #3" ist in den Startlöchern. Stefan Gutternigh hat uns mehr darüber erzählt.
"The Common Good #3" ist in den Startlöchern. Stefan Gutternigh hat uns mehr darüber erzählt.

Stefan Gutternigh schaffte 2016 mit seinem Comic “Pest 1435” einen ziemlichen Sensationserfolg auf Kickstarter. Nach dem mittelalterlichen 200-Seiten-Zombie-Epos wandte er sich der Zukunft zu und startete die dystopische Cyberpunk-Serie „The Common Good“. Die Kickstarter-Kampagne für den dritten Teil ist bereits finanziert – bis 4. Oktober kann man noch mit einsteigen

Wie läufts mit der Kampagne für den dritten Teil von “The Common Good”? 

Sehr gut! Das Crowdfunding hat stark begonnen und das Finanzierungsziel war sehr schnell erreicht, dann flaut das erfahrungsgemäß ja immer ein bisschen ab. Manchmal schafft man es dann noch, dem Ganzen einen zweiten Schub zu geben – aber die Comic-Konkurrenz auf Kickstarter ist in den letzten Jahren sehr viel härter geworden. Jetzt sind sehr viele gute Comic-Projekte gleichzeitig am Start. 

Ist es deiner Erfahrung nach schwieriger geworden, Comics durch Crowdfunding zu finanzieren? 

Ich denke schon. Es gibt viel mehr Kampagnen gleichzeitig, und auch große Namen und Marken haben Crowdfunding für sich entdeckt. Wenn Matt Kindt und Keanu Reeves gleichzeitig mit dir ein gemeinsames Projekt promoten, ist es ziemlich schwer, daneben nicht völlig unterzugehen. Keanu Reeves ist tatsächlich gerade unter die Comic-Autoren gegangen und sammelt für seine erste Serie „Brzrkr“.
Vor fünf Jahren, als ich „Pest“ gemacht habe, gab es noch nicht so viele Projekte. Es war auch auf Social Media um einiges leichter, durchzukommen. Heute muss man schon sehr viel Arbeit in einen durchgeplanten Social Media-Auftritt legen, oder einiges an Geld in die Hand nehmen – und bei beidem stellt sich die Frage, ob die Investitionen dann auch wieder reinkommen … 

»In der Welt von „The Common Good“ geht es um Totalitarismus, Überwachung, Kontrolle – obwohl ja alle nur das Gute wollen …«

Heft drei von „The Common Good“ ist jedenfalls gesichert; ist die Serie damit abgeschlossen? 

Ja, der dritte Teil wird der letzte sein. Beim ersten Teil waren eigentlich gar keine Fortsetzungen geplant, aber nachdem die Finanzierung sehr gut gelaufen ist und ich viel gutes Feedback bekommen habe, habe ich eben noch weitere Teile angehängt. Ich habe sogar überlegt, insgesamt vier Hefte zu machen, aber diese nicht abgeschlossenen Mittelteile sind beim Crowdfunding immer schwierig, das habe ich auch bei der Finanzierung für den zweiten Teil gemerkt. Jetzt ist das dritte Heft eben etwas dicker als die ersten beiden, die geplante Story ist etwas gestrafft – und das hat dem Heft insgesamt gut getan, denke ich. 

Was sind denn für dich die zentralen Themen in „The Common Good“? 

Im Mittelpunkt stehen Totalitarismus und Überwachung und was sie mit uns machen. Auf der einen Seite sind das die Überwachten, aber die totale Kontrolle wirkt sich ja auch auf die Mitarbeiter und Mittäter in Überwachungsstaaten aus. Vor allem beim ersten Teil stand auch die Frage am Anfang: Wer sind eigentlich die Menschen, die in einer Überwachungsorganisation mitarbeiten, wie wirkt sich das auf ihr Leben aus, wie treffen sie Entscheidungen, warum machen sie das? Daraus entstand die Figur von Cindy, der weiblichen Protagonistin, die die Vorgaben der „Global Organization for the Common Good“ vollstreckt. 
Das hat mich nicht losgelassen und die Story hat sich weiterentwickelt. Die Welt in „The Common Good“ vereint die Nachteile von Kommunismus und Kapitalismus, also starke Kontrolle und erstickende „Fürsorge“ durch den Staat und datensammelnde, kontrollierende und den Menschen zum gläsernen Konsumenten machenden Konzerne auf der anderen Seite. 
Nach der Splatter-Story von „Pest“ war es mir wichtig, auch mal was Tiefgründigeres zu machen. Da freut es mich natürlich besonders, wenn einige Rezensenten sich an 1984 erinnert haben. 

Du zeichnest, inkst, schreibst und letterst selbst, also ein echtes Ein-Mann-Projekt. Ist dir das wichtig? 

Ich hab es früher in anderen Bereichen öfter mit Kooperationen und Teamwork probiert, aber das hat für mich meistens leider nicht funktioniert. Am Ende blieb dann immer nur sehr viel unbezahlte Arbeit.
Das ist in meiner Sichtweise das Tolle an Comics: In dem Medium kann man auch allein eine sehr große Bandbreite an textlichen, visuellen und grafischen Stilelementen nutzen, ohne ein ganzes Produktionsteam zu brauchen, man kann sehr viele Medien- und Erzählebenen nützen und laufend dazulernen. Diese Weiterentwicklung beim Zeichnen und Erzählen ist mir auch sehr wichtig. 

»Schwarzweiß fordert mich mehr als Kolorieren – da kommt’s mehr auf jede Linie an …«

Was bedeutet lernen oder besser werden für dich bei Comics? 

Dazu gehören mal so technische und organisatorische Dinge, die einem das Leben leichter machen: Wie plane ich die Story und einzelne Seiten, wie baue ich die Panels und das Layout auf? Da kommt Routine rein und man wird im Lauf der Zeit deutlich schneller – und Erfahrung wirkt sich gut auf den Lesefluss aus, die Seiten werden optisch deutlich spannender. 
Zeichnerisch hat sich bei mir vor allem der Ausdruck der Figuren entwickelt, Emotion kommt jetzt in den Gesichtern viel stärker rüber, also das noch in den Charakteren von „Pest” der Fall war. 

„The Common Good“ ist durchgehend schwarzweiß. Ist das eine Zeitfrage oder ein Stilmittel? 

Ich finde, das passt vor allem gut zum Thema. Und ich habe festgestellt: Es fordert mich zeichnerisch mehr. Durch meinen Brotberuf als Grafiker und Filmer hab ich sehr viel Erfahrung mit Licht und Farben. Ich habe festgestellt, dass ich durch eine aufwendige Kolorierung dann auch immer wieder mögliche Schwächen in der Zeichnung überdeckt habe. Da geht jetzt in der Schwarzweiß-Serie nicht mehr und es hat mir zeichnerisch gutgetan. 

Wie entsteht denn bei dir eine Story? Manche schreiben ja erst und zeichnen dann, andere haben eine ungefähre Idee für die Story, aber konkret wird sie erst beim Zeichnen – wie ist das bei dir? 

Der Handlungsbogen ist bei mir schon fix, bevor ich zu zeichnen beginne. Die konkreten Dialoge schreibe ich dann nur für zwei oder drei Seiten vor, dann beginne ich zu zeichnen. Und nachdem zeichnen ja viel länger dauert als schreiben, habe ich immer wieder viel Zeit, die Dialoge zu überarbeiten. Da ändert sich dann schon einiges, bevor ich die nächsten Seiten schreibe. Aber der rote Faden ist bei meinen Story ziemlich fix. 

Heft drei soll ja schon im Dezember erscheinen, damit ist die Serie also abgeschlossen. Ist es das geworden, was du wolltest? Wie ist es, wenn zu zurückschaust? 

Ich bin durchaus zufrieden. Es ist sogar mehr geworden, als ich mir ursprünglich vorgestellt habe. Für mich ist da nichts offen, ich kann das so stehenlassen. 
Als nächstes möchte ich etwas ganz anderes machen. Ich arbeite gerade an einem Brettspiel, ein Spiel, das man im Team gegen das Spiel und seine Regeln spielt. Mehr möchte ich noch gar nicht verraten – aber man wird es dann auch auf Kickstarter finden …  

“The Common Good” von Stefan Gutternigh gibt es im Süpermarkt und im Buch- und Comichandel. Die Kickstarter-Kampagne für Teil 3 läuft noch bis 4. Oktober 2020.

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