Slipped Dee: »Für Comic-Zeichnerinnen gab es nicht wirklich Rolemodels«

Slipped Dee experimentiert als Zeichnerin mit verschiedenen Stilen und landet immer wieder bei Mangas.
Slipped Dee experimentiert als Zeichnerin mit verschiedenen Stilen und landet immer wieder bei Mangas.

SlippedDee ist schon seit langer Zeit fixer Bestandteil der österreichischen Comicszene. Mit einem definierten Stil und einer interessanten Mischung aus asiatischen und amerikanischen Einflüssen überzeugen ihre Zeichnungen nicht nur in Illustrationen, sondern auch in Comicgeschichten. Als Künstlerin mit vielen Interessen hatte sie schon immer den Drang in Bildern zu erzählen, dafür reichten ihr nicht nur die Zeichnungen, es mussten auch Sprechblasen her.

Beginnen wir gleich mit einer normalen Frage; hat sich deine Arbeit als Comiczeichnerin während der Quarantäne durch Covid-19 verändert, wenn ja, wie?

Danke erstmals für die Interview-Anfrage, ich freu mich sehr. Zur Covid-19-Situation: Die Arbeit hat sich schon etwas für mich geändert. Ich habe meine Comics großteils in meinem Studio gezeichnet, tue das jetzt aber vermehrt zuhause, um den Kontakt zu anderen Menschen zu meiden. Da ich aber vor den Ausgangsbeschränkungen gerade mit meinem ersten Band zur TÜTÜ-Reihe fertig geworden bin, wäre ich ohnehin in die kreative Planungsphase für meine nächsten Projekte gekommen und nicht wirklich am Zeichnen (außer Skizzen und Studien). Also diesbezüglich hat sich nichts geändert. Was sich jedoch für mich geändert hat, und da ist die Süpermarkt-Plattform wirklich sehr hilfreich,ist, dass die Verkaufsmöglichkeiten auf Messen für meine Comics momentan nicht existent sind. Das alles geschieht momentan großteils online. 

In welchem Abschnitt deines Lebens hast du mit dem Zeichnen begonnen und gab es bestimmte Einflüsse zu dieser Zeit?

Ich habe immer gern gezeichnet, aber mein erster Comic entstand mit 17. Es war ein Geburtstagsgeschenk an einen Freund damals und noch wirklich schlecht auf Karo-Papier gezeichnet. 😛 Da habe ich gemerkt, dass mir das richtig Spaß macht. Durch Social Media und Art-Plattformen bekommt man mit, was andere Zeichner so machen. ConceptArt, Gamedesign, GraphicDesign,… Ich habe auch versucht, meinen Stil in verschiedene Richtungen zu pushen, aber im Grunde komme ich immer wieder zurück zum japanischen Manga bzw. koreanischen Manwha. Darin fühl ich mich am wohlsten und gefällt mir auch am besten.

Für die Leute, die sich deinen Einfluss in der österreichischen Comic- und Mangaszene noch nicht bewusst sind; welche Werke von dir sollte man unbedingt gelesen haben und was sind deine aktuellen Projekte in denen man dich näher kennen lernen kann?

»Kommerziellen Erfolg erzwingen zu wollen, ist für mich auch kein guter Weg und führt bei mir nur zu Frustration und künstlerischen Blockaden.«  

Meine Werke sind eher in der deutschen Mangaszene bekannt, weniger in Österreich. Das lag daran, dass die ersten Mangafans, die ich kennengelernt habe, Deutsche waren und ich so auf deutsche Cons gefahren bin, anstatt auf österreichische. Am besten, man fängt mit meinem aktuellen Werk an ‘Rosa Strumpfhosen und ein Tütü – Highschool Edition’ an. Das ist eine Coming-of-Age-Komödie, in der es um einen jungen Balletttänzer geht. Ich habe auch 2005 bereits den Ursprung dieser Story online veröffentlicht, was meine zeichnerischen Anfänge und Fortschritte widerspiegelt und Hintergrund-Infos zu meinem aktuellen Manga zeigt. Dazwischen habe ich immer wieder kleine Comics gemacht oder für Austrian Superheroes gearbeitet, aber auch mehrere Jahre Pause vom Zeichnen gemacht. So viele Veröffentlichungen habe ich also noch nicht.

Was war deiner Meinung nach einer der größten Steine im Weg zur Comic-Industrie und wie bist du damit umgegangen?

Als ich 2003 maturiert und überlegt habe, was ich studieren soll, gab es keine Möglichkeiten sich für eine Comic-Laufbahn zu entscheiden. Ich glaube, die Comic-Academy kam ein paar Jahre später, da habe ich schon was anderes studiert und wollte das nicht abbrechen. Für mich war mein Weg sehr unsicher und ich wusste nicht, woran ich mich orientieren sollte. Damals kannte ich in Österreich nur ältere Herren, die Comics gezeichnet haben und ich hatte nicht wirklich ‘Role-Models’ oder Leute, die sich damit auskannten. Ich wusste, in Japan gibt es viele Comic-Zeichnerinnen, weshalb ich mich damals daran orientiert habe. Sie haben auch das produziert, was ich gern lesen wollte. In Österreich habe ich also nicht das gefunden, was ich gesucht habe. 
Ich habe dann etwas anderes studiert, und den meiner Ausbildung entsprechenden Job übe ich auch wirklich gerne aus. Ich werde weiterhin zeichnen, aber die finanzielle Unsicherheit als Künstlerin ist mir einfach zu groß. Ich habe kein finanzielles Polster oder Ähnliches oder so viele Unterstützer, dass ich allein davon leben könnte. Das erzwingen zu wollen, ist auch kein guter Weg und führt nur zu Frustration und künstlerischen Blockaden bei mir.  

»Ich habe versucht, meinen Stil in verschiedene Richtungen zu pushen, aber im Grunde komme ich immer wieder zurück zum japanischen Manga oder koreanischen Manwha. Darin fühl ich mich am wohlsten.«

Du bist eine Künstlerin, die man aus Auftragsprojekten wie „ASH – Austrian Superheroes“ kennt. Ist das eine Richtung als Kunstschaffende beibehalten möchtest oder würdest du auch gerne mehr an deinen eigenen Bildern und Geschichten arbeiten können?

ASH hat mir geholfen, wieder nach meiner langen Pause ins Zeichnen reinzukommen und eine Routine zu entwickeln. Deshalb bin ich dem wirklich sehr dankbar. Ich mag auch den Style, den ASH hat. Momentan ist es für mich eine gute Balance zwischen ASH und meinen eigenen Projekten.

Wenn wir bei deinen eigenen Projekten sind, passt du deinen Stil an deine Ideen an oder beeinflusst dein Stil von vornherein deine Ideen?

Gute Frage: Aber ich glaube, ich passe meinen Stil meinen Ideen an. Je nach Setting etc. überlege ich auch, in welchem Stil, die Geschichte am besten rüberkommen würde. Ich habe eine Plotidee zu einem historischen Mittelaltersetting und würde da z.B. eher mit Bleistift arbeiten und meine Zeichnung ‘sketchier’ wirken lassen, als der typische Mangastil mit Tusche und Raster.

Slipped Dee zeichnet Mangas, Superhelden-Comics und andere Comics. Rosa Strumpfhosen und ein [TÜTÜ] Highschool Edition gibt es im Süpermarkt, ihre Austrian Superheroes-Comics gibt es auf austriansuperheroes.com

______

Nichts verpassen? Nimm den Newsletter!

Du kannst dich jederzeit abmelden, indem du auf den Link in der Fußzeile unserer E-Mails klickst. Informationen zu unseren Datenschutzpraktiken findest du auf unserer Website.

Süpermarkt ist die Shopping-Plattform der Kreativwirtschaft

Süpermarkt ist ein Projekt von gold super extra. Wir sind die Agentur mit den praktischen Lösungen. 

Schau dich um – und wenn du neugierig geworden bist, klick auf Anmeldung. Dann kannst du mit wenigen Klicks loslegen.

Das Einrichten von Shops und Produkten ist kostenlos!