»Ordentliche Showdowns sind mir wichtig«

Monster, Tentakel, okkulte Maschinen, der Horror dunkler abgeschiedener Täler voll finster dreinblickender Einheimischer – Zeichner Michael Liberatore erzählt von seinen neuen Projekten.
Monster, Tentakel, okkulte Maschinen, der Horror dunkler abgeschiedener Täler voll finster dreinblickender Einheimischer – Zeichner Michael Liberatore erzählt von seinen neuen Projekten.

Viele Worte sind nicht so das Ding von Michael Liberatore. Manchmal ist es ein wenig schwierig, ihm mehr als Einsilbiges zu entlocken. Er greift eben lieber zum Bleistift. Das dafür zur Zeit um so intensiver. 2018 erschien die Doom Metal Kit-Miniserie. Zwei Hefte einer merkwürdigen Geschichte über einen Wartungstechniker für okkulte Maschinen in einem düster-postapokalyptischen Westernszenario, die alle LeserInnen sofort in ihren Bann zogen. Die häufigste Reaktion auf die zwei Hefte war: „Ich weiß nicht wirklich, worum es geht, aber es ist großartig.“ Die Story erschließt sich in der Tat nicht ganz leicht: Kit, die Hauptfigur der Serie, führt ein eher freudloses Leben, hängt Erinnerungen an Musik, Freunde und eine verschwundene Jugendliebe nach, und wartet okkulte Maschinen. Mithilfe dieser Maschinen hält die Menschheit Kontakt zu Dämonen und hält diese gleichzeitig in Schach. Warum genau das so wichtig ist, was auf dem Spiel stünde, wenn die Wartung nicht mehr funktionieren würde und was der eigentliche Sinn der Maschinen ist, das weiß niemand mehr so genau. Unterwegs müssen sich Kit und sein Gehilfe mit Zombies und anderen Monstern herumschlagen, ein recht übler Oberdämon fordert sie zum Showdown heraus.

»Ich arbeite zugleich an Texten und Bildern, deshalb entsteht manchmal ein Teil der Story auch beim Zeichnen

„Bei mir entsteht eine Story immer auf beiden Seiten. Ich arbeite zugleich an Texten und Bildern, deshalb entsteht manchmal ein Teil der Story auch beim Zeichnen“, erzählt Liberatore. „Deshalb habe ich auch eine Menge an Skizzen, Shortstorys und einzelnen Strips übrig, die ich auch noch in Form bringen und veröffentlichen möchte.“ Die Anthologie, für die Liberatore auch mit weiteren Autoren zusammenarbeitet, liefert den Hintergrund und weitere Anknüpfungen zu den zwei Heften. „Das wird ein bisschen wie das Buch zum Film oder das Wiki zum Spiel – man kann tiefer eintauchen, geht Spuren in der Story nach, die in den Comics nur eine Andeutung waren, und legt natürlich jede Menge neue Spuren.“

Die Materialsammlung zur Fortsetzung oder Erweiterung von Doom Metal Kit liegt schon lange; jetzt soll sie in Form gebracht werden. Manchmal sind es nur einzelne Bilder, manchmal Shortstorys über zwei oder fünf Seiten – aber immer geht es um das Monströse, um die Unzufriedenheit, und um fantastisch illustrierte Monster. „Bei Kit bin ich immer wieder bei Tentakelungeheuern gelandet. Greifarme, Saugnäpfe – damit lässt sich optisch sehr viel machen. Diese Art von Monstern können sehr viel, das eignet sich für viele Handlungen und Kämpfe und sieht immer gut aus“, erzählt Liberatore. „Dabei ist Kit ja eigentlich eine Geschichte über Freundschaft und die Suche nach einer guten Zeit. Als ewig Unzufriedener und außerdem auch ein bisschen Aufschneider ist Kit auch so etwas wie ein Ur-Wiener oder ein Prototyp des Durchschnittlichen, der sich ewig missverstanden und gering geschätzt fühlt – obwohl er wenig dazu tut, das zu ändern.”

»80er Jahre, düstere Täler, finster blickende Einheimische, viel Musik – das wird ‘Bauer’.«

Liberatores zweite große Baustelle, in die zur Zeit die meiste Energie fließt, ist ein Comicprojekt mit dem Arbeitstitel „Bauer.“ „Bauer“ wird ein Buch über den Horror der Provinz und der 80er Jahre. Für zurückgezogene Nerds waren die 80er kein tolles Jahrzehnt – zu viel Coolness und Posing. „Neben der Zeit ist für mich auch die Region in der Story wichtig. ‚Bauer‘ spielt in einem einsamen düsteren Tal, die Einheimischen schauen immer finster drein und sind mürrisch und begegnen den Fremden mit viel Misstrauen – in solchen Szenarien steckt für mich der echte Horror drin. Da fürchte ich mich viel mehr als in irgendwelchen Science Fiction-Szenarien oder wenn etwas zu fantastisch wird.“ Liberatore arbeitet schon rund einem Jahr an „Bauer“ und zeigt immer nur einzelne Entwürfe. „Mir ist es wichtig, die Kultur der 80er, ihre Musik, Mods, Vespas und all das, was mich geprägt hat, in die Story zu verpacken. Vielleicht kann man es dann auch als Musical bezeichnen – Musik wird eine wichtige Rolle spielen. Aber Horror bleibt das bestimmende Element.“

Zur Vorbereitung „habe ich mir die ganzen alten Schinken noch mal reingezogen … Texas Chainsaw Massacre, Halloween, das sind da die großen bestimmenden Filme, die für unsere Zeit das Genre definiert haben. Wer das alte Horror-Genre kennt, wird mit „Bauer“ und vielen Zitaten und Hommagen seine Freude haben.“
So weit sich das bei Liberatore Schreibstil, bei dem die Story im Gehen entsteht, sagen lässt, geht es bei Bauer um die Geschichte einer Band und ihrer Freunde, die sich zum Musizieren und zwecks Inspiration und Drogenkonsum in ein abgeschiedenes Tal zurückzieht – so allerdings ein mordender Bauer sein Unwesen treibt. Das zieht sich über mehrere Runden, denn wie es sich für echten Horror gehört: Das Böse muss unbesiegbar sein. Oder doch nicht? „Ordentliche Showdowns sind mir wichtig“, sagt Liberatore. „Ich mag es, wenn Schwache oder Underdogs über sich hinauswachsen und ihre Gegner platt machen. Also so richtig mit Bomben und Granaten plattmachen.“

»Ordentliche Showdowns sind mir wichtig.«

Trotz Drogen, Splatter und Blut soll „Bauer“ also „eigentlich eine positive Story werden. Der Umgang mit Angst, Depressionen, psychischen Problemen – das zieht sich durch viele meiner Arbeiten. Das ist ja auch eines der bestimmenden Themen bei Doom Metal Kit

Die ersten zehn Seiten von „Bauer“ werden gerade fertiggestellt – „auch als Testlauf, um zu sehen, ob das Erzählkonzept funktioniert.“ Weitere zehn Seiten sind einem Wasserrohrbruch zum Opfer gefallen. Trotzdem ist natürlich Halloween 2020 der angestrebte Veröffentlichungstermin für den ersten „Bauer“-Band.

Und wie gewohnt wird Michael Liberatore dabei auch auf Production Value setzen. Schon bei Doom Metal Kit gab es Variant Covers von Michael Hacker, Thomas Aigelsreiter und Peter Kramar, T-Shirts und limitierte Siebdrucke. Für “Bauer” arbeitet Liberatore bereits an neuen Kooperationen, unter anderem mit Splatter-Größe wie Timo Würz. – Süpermarkt-LeserInnen werden Details als erste erfahren.

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Michael Liberatore ist Illustrator und Comiczeichner. 2018 erschien die Miniserie “Doom Metal Kit”, für 2020 ist der erste Teil von “Bauer” geplant. Liberatore lebt in der Nähe von Wien und zeichnet öfters auch für Austrian Superheroes.

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