Michael Hartinger: Gameboy

Michael Hartinger ist Gamedeveloper, Projektleiter, so etwas wie der Säulenheilige der Indiegame-Szene in Wien und produzierte die buntesten Pixelart-Games.
Michael Hartinger ist Gamedeveloper, Projektleiter, so etwas wie der Säulenheilige der Indiegame-Szene in Wien und produzierte die buntesten Pixelart-Games.

Michael Hartinger gründete 2015 Bloodirony Games und produzierte das Mobile Game Shooting Stars. Die zeitgleich gestartete Vienna Gamedev Meetup-Community ist seither das lebendigste Gamedev-Event der Stadt. Und Michael Hartinger ist als erfahrener Entwickler, Projektleiter und Mann mit dem Sinn für Schmäh und trashigen Stil so etwas wie der Säulenheilige der Indiegame-Szene – auch wenn er selbst zur Zeit Auftragsgames produziert. Aber das kann sich wieder ändern.

Was machst du zur Zeit? 

Jetzt haben wir gerade ein SpongeBob Game fertiggemacht. Eigentlich ein Traum, aber halt Auftragsarbeit.

2015 hast du eine GmbH gegründet, mit Shooting Stars ein eigenes Game rausgebracht, das Gamedev-Meetup gestartet – das wirkte ein wenig wie ein Startschuss für eine neue Gameszene in Wien …

Ich wollte immer schon Games machen. Ich habe lang als Entwickler in Banken gearbeitet, während meiner ersten Karenz habe ich mal ein eigenes Games gemacht, ich glaub da hatte ich ungefähr 57 Downloads und das war’s. Also war mir klar, das muss man anders aufziehen. Beim nächsten Versuch habe ich mir mehr Zeit genommen, ordentlich investiert und zwei Leute angestellt. Ich habe auch eine Förderung der Wirtschaftsagentur Wien bekommen.  
Das hat geholfen, die Sache ins Laufen zu bringen, das Game hat dann auch in etwa die Kosten wieder eingespielt, langfristig etwas mehr, aber ich hatte dann kein Geld mehr, um weiterzumachen. Aber ich hatte mal einen Fuß in der Industrie. Also habe ich halt wieder eine Zeit lang Enterprise IT gemacht, bis dann auch große Plattformen wie Facebook mit Instant Games auf mobile Spiele gesetzt haben …

Games waren ein Zeitlang ein neues Versprechen – eine Möglichkeit, vom Schreibtisch oder Coworking-Space heraus etwas zu machen, das weltweit erfolgreich sein kann. Wie hat sich das aus deiner Sicht entwickelt?

»Indie heißt für mich, etwas umzusetzen, das ich wirklich machen will.«

Ich war ja selbst Feuer und Flamme für die Instant Games. Mein Ziel war, drei der ersten hundert Games zu machen, die auf Facebook veröffentlicht werden. Ich war dazu auch mit den Plattform Managern in Kontakt. Aber dann haben sich die Pläne bei Facebook geändert und Games waren keine besondere Priorität mehr. 
Große Plattformen schaffen ziemlich starke Abhängigkeiten – sie bieten Reichweite und Chancen, aber wenn sich deren Geschäftsmodell ändert, kann von einem Tag auf den anderen alles anders sein. Und Games zu produzieren ist ganz sicher nicht billig: Du brauchst gute Techniker, gute Artists, Leute für das Gameplay – das kostet Geld. Wirklich aufgegangen ist das nur für sehr wenige. Candy Crush oder Clash of Clans funktionieren kommerziell sensationell. Andere haben viel investiert und wenig rausbekommen. 
Vor wenigen Jahren haben da viele noch aus Idealismus und mit Hoffnung für sehr wenig Geld gearbeitet, aber jetzt kehrt auch Realismus ein … 

Games, gerade auch Indiegames gelten ja nach wie vor als Hoffnungsträger und sind auch Schwerpunkt bei vielen Förderprogrammen, die modern sein wollen. Warum finden die Beachtung und was bedeutet hier Indie für dich?

Indie heißt für mich, etwas umzusetzen, das ich wirklich machen will. Das ist keine Auftrags- oder Lizenzarbeit, keine Produktion als Teil eines Netzwerks. Beachtung finden Games wohl deshalb, weil das Wachstum sehr stark ist. Die Branche wächst um einiges schneller als Film oder Musik. 
Seit der Wii sind Games auch was für Eltern oder Großeltern, mit Smartphones ist sowieso nochmal viel Wachstum reingekommen – und auch ganz neue Zielgruppen. 
Ich denke, damit sind die Hoffnungen, die man in Games setzt, schon berechtigt. 

 

»Von Games in Schule und Bildung bin ich ziemlich enttäuscht

Hoffnungen setzt man ja auch auf Games für Schule und Bildung, siehst du da gute Entwicklungen?

Das finde ich ziemlich enttäuschend. Meine Kinder haben da ungefähr das gleiche Unterrichtsmaterial wie es schon meine Mutter hatte. Gerade letzte Woche haben wir irgendwelche 80 Linien an einem Skelett beschriftet, um einzelne Knochen zu benennen. Gerade so was geht ja wirklich besser. 
Und es muss ja gar nicht besonders spielerisch oder mit aufwendigem Gameplay dahinter sein – guter Einsatz von Technologie wäre schon ausreichend. Aber dafür gibt es in Österreich recht wenig Verständnis. Ich war selber schon öfter über verschiedene Projekte mit Leute vom Bildungsministerium oder anderen Institutionen in Kontakt. Die Leute waren oft ehrlich interessiert, aber wenn es dann heißt: „In sechs Monaten haben wir den nächsten Termin, bei dem wir besprechen können, ob wir das entscheiden können“, dann verlier ich auch die Lust … Bei solchen Projekten muss man mal Geld in die Hand nehmen und schnell etwas fertig machen – das kann man nicht in der Theorie durchplanen und im Trockentraining entscheiden.

Du hast auch das Vienna GameDev Meetup ins Leben gerufen – läuft das noch immer? 

Ja, besser denn je! Ich habe das zugleich mit Bloodirony begonnen, um Kontakte zu knüpfen und einen Fuß in die Szene setzen zu können. Ist praktischer, als einzelne Termine zu machen, wenn alle zu dir kommen. Die Idee war: Es gibt zwei oder drei kurze Vorträge über aktuelle Indie Games aus Wien und danach gesponsertes Bier. Mittlerweile lass ich sogar das Bier Sponsoring weg und die Leute kommen noch immer – es liegt also nicht nur am Gratis Bier. Mittlerweile muss ich mich auch gar nicht mehr ums Programm kümmern, es melden sich genug Leute, die etwas vorstellen können. Manche FH Studenten werden sogar schon von ihren FHs geschickt, für die ist das Teil der Lehrveranstaltungen.

Die letzten Jahre hast du ziemlich viel verschiedene Projekte in sehr vielen verschiedenen Umgebungen gemacht – machst du dir nicht manchmal Sorgen, zu alt für die Art von Arbeit zu werden?.  

Also technisch krieg ich sicher immer noch viel mit. Und Erfahrung ist ja auch nichts schlechtes. Was ich eher sehe: Die jungen Leute arbeiten anders, die legen Wert auf Gesundheit, Zeitausgleich, für die ist nicht mehr selbstverständlich, dass man für ein paar Wochen alles liegen und stehen lässt, weil ein Game fertig werden muss. Das war bei mir früher sicher anders, aber sonst mach ich mir da wenig Sorgen. Müde werd ich vielleicht, und manchmal auch nicht mehr ganz so entschlossen alles umzuwerfen und was neues anzufangen – aber zu erwachsen werd ich sicher nicht. 

Mit Bloodirony produzierte Michael Hartinger Shooting Stars und andere Pixelart Games, das Vienna Gamedev Meetup findet jeden ersten Dienstag im Monat statt.

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